Sejelcup der Kölner Karnevalsvereine

Erfolgreiche Teilnahme des KYC zusammen mit dem SCV unter der Flagge der Kölschen Pänz us Brüssel. 8. bis 10. September 2023, Hindelopen, Niederlande

Ich bin zwar erst seit etwas über einem Jahr beim Kölner Yacht Club, kannte Ralf Hauswirth aber schon seit einiger Zeit vom Segel Club Ville. Ralf, Axel Seidel und Eugen Richter und viele andere habe ich bei meinem ersten Törn mit dem KYC, dem England Törn im Mai 2023 besser kennen gelernt als Co-Skipper auf dem Boot von Eugen.

Deshalb habe ich mich auch gefreut als Ralf mit der Idee beim Sejelcup de Kölner Karnevalsvereine mitzusegeln kam. Ich fand die Idee so verrückt, dass ich dachte, da müssen wir mit dabei sein. Es gab mehrere Stimmen die glaubhaft behaupteten der Kölner Yacht Club sei eigentlich ursprünglich und primär ein Karnevalsverein. Schließlich hat es eine Teilnahme im 19. Jahrhundert an einem Rodenkirchener Karnevalszug gegeben. Das schien das Organisationskommitee vertreten durch den Sejelpräsidenten Dominik Betz aber nur begrenzt zu überzeugen. Möglicherweise war nicht ganz klar ob Rodenkirchen damals schon besiedelt oder zur Stadt Köln gehörte…

Da war es praktisch, dass ich mit Freunden in Brüssel vor 4 Jahren einen Karnevalsverein für Kinder von Jecken wie mir die in Brüssel arbeiten, dort unsere Kinder großziehen und denen wir Bildung und Brauchtum nicht verwehren konnten. Das ist kurz die Idee hinter „Kölsche Pänz uss Brüssel“ gegründet 2019. Unser Ziel war die Teilnahme am den Scholl- un Veedelzöch 2020. Wir standen auch schon in Kostüm mit mehreren Tonnen Kamelle am Ubierring und sind ca. 10m gelaufen bevor der Zug 2020 aufgrund von Starkwind abgesagt wurde. Spätestens hier hätte jedem klar sein müssen, dass dieser Verein und Segeln zusammen gehören. Wir sind damals traurig ins Brauhaus getigert, haben die Kamelle selber in den folgenden Monaten gegessen und waren am Start für 2021, der wegen Corona ausfiel und ebenso 2022. Bei den Vorbereitungen für 2023 glaube niemand so richtig, dass es aufgrund von Corona weitergehen wird, aber wir sind in unseren Kostümen die nach 4 Jahren teilweise an die folgenden Kindergenerationen weitergegeben werden mußten mitgelaufen. Der Verein „Kölsche Pänz us Büssel“ ist also bei en Schull und Veedelszöch 2023 mitgelaufen. Das hat natürlich Dominik Betz vom Sejelcub imponiert. Damit war das Team definiert. Unter der Flagge der Kölsche Pänz uss Brüssel haben wir uns zum offiziellen Sejelcup der Kölner Karnevalsvereine angemeldet.

Dank vielfältiger logistischer Unterstützung vom Kölner Yachtclub war Boot – eine gewisse Bavaria Carpe Diem – in Lemmer bei Helge von Star Sails geregelt. Zum dem Core-Team Ralf und Thomas kam dann noch Johannes hinzu. Ich habe mit ca. 17 den Fehler gemacht und Johannes das Segeln beigebracht. Das führt mitunter zu sportlicher Konkurrenz, aber davon später mehr.

Neben Johannes haben wir noch Sarah, sowie Friedrich den Sohn von Ralf und Felix motivieren können.

So sind wir dann am Freitagabend, den 08 September losgefahren bei Traumtemperaturen in Shorts und T-Shirt. Lästiges Detail: Kein bisschen Wind. Also sind wir nach Hindelopen gedieselt. Bei Ankunft nach Dunkelheit war der größte Teil des Gemeindehafens durch die 17 Schiffe des Sejecups schon belegt. Wir haben dann als 6. Im Päckchen neben dem Startboot der Segelyacht Sanuk festgemacht.

Das Organisationsteam hatte die coolste Kneipe in Hindelopen das Cefé de Boekanier klar gemacht. Da wir als letztes Boot reinkamen waren gabs nicht mehr viel zu Essen, aber dafür mussten wir nicht so viel trinken um unseren Pegel anzugleichen. Die Stimmung war sehr gut und friedlich wie im Karneval. Alles direkt vertraut. Ich wusste bis zu dieser Regatta gar nicht, dass es Segelboote nicht nur mit Außenlautsprechern sondern auch mit Disko-Außenbeleuchtung gibt. Auch die letzten sind dann irgendwann mal in die Kojen gekommen. Da wir gefühlt links, rechts, vorne und hinten andere Sejecupteilnehmer hatten bestand aber keine Gefahr, dass jemand ins Wasser fallen konnte.

Lange konnten wir nicht feiern. Wir waren schließlich weder zum Spass noch zum Vergnügen da. Es galt die sportliche Ehre der Kölschen Pänz us Brüssel und des KYC und SCV zu verteidigen. Die Regatta war für 11:11 Uhr angesetzt, wie konnte es anders sein. Um 10:30 gab es das traditionelle „Palaver“ der Skipper und Co-Skipper. Die Wettervorhersage war so gut wie kein Wind aus allen Richtungen. Dafür Sonnenschein.

Aber wir mussten unsere Kräfte messen. Daher war abgesprochen eine knapp 2sm lange Strecke zwischen der Tonne „Kite 10“ und der Tonne „VLC“ zu segeln. Die Startlinie würde die SY Sanuk und die Tonne „Kite 10“ markieren. Dann würde die Yacht zur Ziellinie die Zeit messen und anschließend wieder zur Startlinie, damit wir die Regattastrecke zwei Mal segeln konnten. Sollte es wirklich gar keinen Wind geben, so war abgesprochen, würden wir Nördlich der Ansteuerungstonne für Hindelopen und Workum gemeinsam ankern und die Ehrenreihenfolge mit Schlauchbootpaddeln festlegen.

Es kam, wie es kommen musste. Wir war an der Startlinie gut positioniert und haben diese sportlich genommen. Aufgrund von einem Missverständnis, ob wir diese in Uhrzeigersinn oder umgekehrter Reihenfolge umrunden mussten, haben wir sie zwei Mal umrundet. Dadurch hatten wir unsere Pole-Position fast riskiert waren aber gefühlsmäßig immer noch weit vorne. Die Zieltonne war in Luv. Es galt zu kreuzen. Wir mußten kurzfristig dramatische Entscheidungen ganz ohne Backoffice, Wetterfax und Grip-Files treffen. Einen langen Schlag nach Nordwesten oder doch eher nach Südwesten? Hektisches wenden erschien uns keine Option da bei diesem Wind jede Wende gefühlt mindestens eine Stunde dauert.

So sind wir mit sehr wenig Wind in drei Stunden sichtnähe der Zieltonne gelangt, aber dann ging es so gut wie gar nicht mehr weiter.

Kein Wind ist für richtige Segeler kein Grund aufzugeben, obwohl wir immer wenige Regattateilnehmer gesehen haben. Johannes wagte den ersten Versuch und ist mit der Festmacherleine schwimmen gegangen. Dabei hat er versucht das Boot zu ziehen. Das war sehr anstrengend und hat bestimmt auch wichtige Millimeter gebracht.

Zwischenzeitlich haben wir noch Besuch bekommen von Daniel, der alle Teilnehmer mit seinem RIB besuchte und von uns einen Kaffee bekam. Auch ein Erlebnis, dass nicht auf jeder Regatta üblich ist.

Wir wollten die Regatta zuende segeln. Da unsere Carpe eine Badeplattform hat, haben wir versucht von dort mit den Beinen wie auf einem Brettchen im Pool zu strampeln. Und das Boot hat sich tatsächlich merkbar, wenn auch nicht sehr schnell, vorwärtsbewegt. Wir haben dann sofort die ganze Crew bis auf dem Steuermann auf die Plattform zum Strampeln geschickt und sind merkbar der Zieltonne näher gekommen.

Das blieb unserer Konkurrenz nicht verborgen die uns kurze Zeit später kopierten, aber da hatten wir schon einen Vorsprung von wichtigen Metern. Eigentlich war die Regattazeit um 15 Uhr abgelaufen. Wir hatten aber per Funk Verlängerung erbeten und sind als 6. von insgesamt 16 Schiffen um ca. 15:45h über die Ziellinie. Das sind schlappe 4,5 Stunden für ca. 2 sm. Nach uns ist noch ein Boot über die Ziellinie.

Der Rest der Regatta war dann schon nördlich der Ansteuerungstonne Hindelopen/Workum verankert und miteinander verbunden. Mit uns und den kurz darauf eintretenden Booten der Regattaleitung waren es zusammen 17 Schiffe, wenn ich das richtig gezählt habe. So haben wir den restlichen Regattanachmittag mit einem Apero, Schwimmen und Schlauchbootfahren gemütlich verbracht.

Am Abend stand die große Sailorsparty und die Siegerehrung auf dem Programm. Wir sind zusammen mit unseren Schiffen wieder in den Gemeindehafen gesegelt, wo für uns schon ein Teil freigehalten wurde. Wir haben uns dann wieder im 6er Päckchen festgemacht. Eine Niederländerin fragte mich mit entsetztem Gesicht wie viele deutsche Schiffe denn noch kommen sollten, als neben uns der freundliche Vercharterer Max aus Stavoren auch noch festmachte, nachdem er an der engsten Stelle seine Stahlyacht gedreht hatte.

Die Regattaleitung hatte diesmal das gemütliche Café de Boekanier im Hafen exklusiv für die Regatta gechartert. Zu Essen gab es reichlich exzellente frische niederländische Pommes, Frikandellen, Kroketten, auch vegetarisch, und Kaassoufflés die wir gerne als Spezial (mit Zwiebeln, Majo und Curryketchup) als Grundlage genossen. Diese hatte die Pommesbude vom Hafen laufend frisch ins Café geliefert.

Zum Sonnenuntergang gab es live Musik vom Duo Wiemer un Schmitz. Die Siegerehrung war beeindruckend. Ich hab nicht genau verstanden wie die Reihenfolge zwischen den Finishern auf unterschiedlichen Segelbooten und die Zeiten der Beibootpaddler umgerechnet wurden, aber manche Legenden leben auch von Geheimnissen und vermutlich war es eine sehr komplizierte Mathematische Formel. Wir wurden als Nummer 6 von 16 Booten ausgezeichnet. Eine Leistung auf die wir als neue Crew stolz sind. Eine gute Idee von Dominik war bestimmt den Hafenmeister Anthony mit einzuladen. Zur späten Stunde erzählte ich ihm die Geschichte der Niederländerin die mich fragte wieviele deutsche Boote noch kommen sollten. Er antwortete die Frau sei mit dem Spruch auch bei ihm gewesen und er habe ihr geantwortet „ich hoffe ganz viele“.

Abgerundet wurde der Abend durch DJ Tim O.C. Auch auf dem Tanzparkett hat sich die Carpe Crew als Finisher bewährt und hat bis zum Ende mitgetanzt. Wir haben viel Spass gehabt. Eine sehr schöne Erfahrung. Der Eigentümer Thomas vom Café de Boekanier fand uns als Gruppe auch sehr sympatisch, begrüßt uns gerne als Gäste und hatte Spaß an der Aktion.

Es war toll und wir sind gerne nächstes Jahr wieder mit dabei. Ich glaube wir haben auch einige Sympatiepunkte bekommen. Wer in der Zwischenzeit bei Anthony oder Thomas von de Boekanier vorbeikommt bestellt bitte schöne Grüße von uns allen. Die Pommesbude Grab N Joy im Gemeindehafen auf der Havenkade ist auch eine Empfehlung.

 

Sarah T. Burkhard, Felix Müller, Friedrich Hauswirth, Johannes Ruppert, Ralf Hauswirth und Thomas Küpper

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